#HRBC26 RECAP - Warum ich immer wieder gerne nach Berlin fahre
- Marcus

- vor 2 Tagen
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Diese Woche stand für mich ein Event-Highlight des Jahres an: Die Mutter aller HR Barcamps: das #HRBC in Berlin. Seit dem ersten Event in 2012 - damals noch in Sarah Wiener's guter Stube bin ich Fan und Teilnehmer des HR Barcamps. Beim HR Barcamp Berlin merkt man jedes Jahr sehr schnell, ob sich HR gerade in einer Komfort- oder in einer Orientierungsphase befindet. Dieses Mal war es eindeutig Letzteres. Und das war spannend, wie schon seit Jahren nicht mehr. Krise hat halt manchmal auch mal was Gutes.
Schon die Session-Vorschläge zeigten, wohin sich die Diskussion verschoben hat: weniger Recruiting-Optimierung, New Work, Social Media Hypes, mehr Trennungs-, Risiko- und Entscheidungsfragen. Themen wie Personalabbau, Kündigungsgespräche, Veränderungsmanagement oder KI-Verantwortung standen an der Session-Wand.
Das passt ziemlich exakt zur aktuellen Lage zwischen wirtschaftlicher Unsicherheit und technologischer Beschleunigung.
Das Beste: Christoph und Jannis haben das Event wieder zu seinen Wurzeln zurückgeführt: aus der Eintagesveranstaltung, perfekt organisiert von Eventmanagern, ist wieder eine 1,5-Tagesveranstaltung von Personalern für Personalern geworden. Und ich weiß, dass das für die beiden und ihr kleines Unterstützerteam viel mehr Aufwand, Organisation und Improvisationsfähigkeit erfordert, aber der qualitative Zugewinn ist deutlich spürbar.
Es ist und bleibt mein Lieblings-Event, gerade weil es kein Konferenzprogramm vorgibt, sondern die Community zeigt, was sie wirklich beschäftigt. Auch wenn ich dafür komisches Zeug zum "Warm-up" singen muss.

Wer wissen will, wie das Barcamp funktioniert: https://hrbarcamp.org/, da steht alles. Und weil 42 ja bekanntermassen die Antwort auf alles ist, war es auch die Antwort auf die Frage: Wieviele Session-Pitches gab es? Und die meisten waren echt spannend. Jeder Teilnehmer gab seine 6 Votes ab, was eine echte Qual der Wahl war, und dann wurde der Sessionplan gebaut. Und los gings.
Tag 1 – Realität statt Recruiting-Romantik
Zum Auftakt war ich in der Employer PR Session, moderiert von Raoul Fischer. Ein Instrument, das für mich immer noch viel zu stiefmütterlich von den Employer Brandern behandelt wird. Spannend war vor allem der Perspektivwechsel: Nicht Reichweite erzeugen, sondern Relevanz verdienen. PR funktioniert nur, wenn sie substanziell etwas erklärt – nicht, wenn sie Arbeitgeber aufhübscht und Phrasen in den Markt pustet. Passt gut in eine Zeit, in der Vertrauen knapper wird als Aufmerksamkeit.

Danach ging es direkt in ein deutlich schwereres Thema:
„Personalabbau: Perspektive schaffen statt nur reduzieren“ – eingebracht von Robindro Ullah

Hier wurde sehr engagiert diskutiert – man spürte die Unzufriedenheit, die viele der Teilnehmer in der aktuellen Wirtschaftslage mit der Qualität der Trennungsprozesse in den Unternehmen heute haben. Aber vielleicht ist diese fehlende Qualität auch einfach dadurch zu erklären, dass viele HRler diese Situation bisher schlicht nicht kannten. Haben wir uns doch jahrelang meist nur mit Aufbau und Weiterentwicklung beschäftigen dürfen. Hier wurde sehr klar: Organisationen müssen wieder lernen, Übergänge zu gestalten, statt nur den Headcount zu steuern. Ein Thema mit viel Luft zur Verbesserung.
Nicht nur die Trennung entscheidet über die Arbeitgeberreputation – sondern auch der Umgang danach.
Direkt anschliessend habe ich mich dann folgerichtig für „Die perfekte Kündigung“ – vorgeschlagen und moderiert von Jannis Tsalikis, entschieden.

Klingt provokant, war aber nach einer kleinen "Fuck-up"-Runde, mit einer Art "Best-of"-Kündigungsfails, eine spannende Diskussion über Professionalität. Kündigungen sind kein Sonderfall, sondern Teil organisationaler Kommunikation. Und genau daran hapert es in vielen Unternehmen. In der Session haben die Teilnehmer einen Grobentwurf eines Playbooks zur "perfekten Kündigung" erstellt. Damit das zukünftig professionell, menschlich und fair läuft.
Abends dann schon fast traditionell das "Get-together" im vor Wien, einer coolen Bar mit einem old-fashioned Disco-Keller in dem Marcel Rütten sein DJ-Talent an den Turntables gezeigt hat. Er ist halt ein Multitalent...
Wie immer gab es viel zu bereden, man sieht sich ja schliesslich nicht so oft. Es wurde zwar spät, aber auch hier gilt: Jede Minute war es wert und die Party gehört zum Barcamp, wie das Session-Pitching und viel Kaffee.
Tag 2 – Psychologie und Technologie holen HR ein
Der zweite Tag startete mit einem Thema, das erstaunlich gut zur aktuellen Zeit passt: „Narzissmus im Unternehmen“ – Linda Bahm
Der Pitch hat mich mit Linda's Catchline überzeugt: "Wer von euch kennt seine TCA?", das steht für "Total Costs of A*******". Also banal gesagt, welchen Schaden Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeit für Unternehmen anrichten können.
Weniger Personality-Test-Talk, mehr Organisationsdynamik: In unsicheren Zeiten verstärken sich bestimmte Führungsmuster. HR muss sie erkennen — sonst werden Strukturen instabil, lange bevor Kennzahlen es zeigen.
Linda, die zu dem Thema auch das passende Buch verfasst hat, teilt einiges aus ihrem Wissensfundus, aber auch hier wurde wieder in Gruppen Content co-kreiert. So muss Barcamp.

Zum Abschluss dann „KI im Recruiting – jenseits von Hype und Compliance“ – Jan Kirchner

Für mich sinnbildlich für das gesamte Barcamp: Gegenseitiges Lernen, Erfahrungen austauschen, Live-Hacks sharen. Mit viel Humor, sehr informell, auf Augenhöhe, Potenziale diskutieren, ohne jede Idee gleich mit der Compliance-Keule zu ersticken. Ich bin begeistert davon, wie aktiv das Thema und die Technologie in unsere Arbeit vordringen und was die Kolleg:innen damit heute schon machen. Und da ist Jan mit seinen Wollmilchsau-Kolleg:innen ohnehin immer ein guter Moderator und Gesprächspartner.
Der Recall – das vermisste Feature – ist wieder da!
Ein besonders schönes Revival: der klassische Recall: Teilnehmende stimmen noch einmal für Sessions ab, die sie verpasst haben.
Meine Wahl fiel auf „Die 7 teuersten Worte der Welt: Angst in Organisationsveränderung“ – Ola Weintraub
Im Kern ging es um Change-Kommunikation. Oder präziser: Warum Organisationen den Umgang mit Veränderungen so schwerfällt – auch hier eine sehr spannende Diskussion. Ach ja: Die sieben Worte sind "Das haben wir schon immer so gemacht" – kennt jeder, oder?!
Was dieses HR Barcamp anders gemacht hat
Wie schon gesagt: Im Format ging es "back to the roots", dass hat die Veranstaltung wieder besser gemacht. Im Inhalt hat es zwei klare Themenstränge, die für mich dominiert haben: Technologie und KI – wenig überraschend, aber weder unkritisch noch euphorisch. Gut so, denn das ist gekommen, um zu bleiben und wird unsere Arbeit nachhaltig verändern. Period.
Und dann natürlich die wirtschaftliche Situation sowie die Konsequenzen für HR/Recruiting. Das fand ich noch spannender, weil wir so neue Themen "auf der Platte" haben. Das öffnet neue Potenziale, auch wenn es an vielen Ecken schmerzt.
HR spricht stärker über Konsequenzen als über neue Kampagnen. Auch beim #HRBC26.
Danke & persönliches Fazit
Schön zu sehen, dass das HR Barcamp wieder sehr nah an seinen Wurzeln war: Austausch statt Inszenierung. Eine Klasse Kombi von Kompetenz und Spass.

Großen Dank an
Christoph Athanas & Jannis Tsalikis samt Team für Organisation und Nervenstärke
Diakonie Deutschland für die Location
Bella & Bona für vermutlich das beste Catering aller Barcamps

Kann ich bestätigen - war echt feines Futter. sowie die Partner und Sponsoren: Gradar, Talk’n’Job, FINN/JobAuto, HR for good, d.vinci, Meta HR
Und natürlich an die vielen Menschen, die ich dort jedes Jahr wieder treffe — neue spannende Kontakte und die vielen tollen Menschen, die so wie ich zum Teil schon seit vielen Jahren daran arbeiten Recruiting und HR besser zu machen und mich so auf meinem Weg begleiten - es ist mir eine Ehre und Freude euch im Netzwerk zu haben!
Einziger Kritikpunkt: Das Mistwetter, Berlin, du warst da nicht gut zu uns - das kannst du besser.

Ich freue mich jetzt schon auf #HRBC27.



